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Jazz Podium

(GERMAN) Karg hebt's an und hört auch so auf. "Midnight Prayers" sind das, minimalistische Spielerien mit Zeit und Raum und viel Ruhe zwischen den Tönen und den – seltenen – Akkorden. Zwischen beiden kurzen Prayers aber gibt es sieben Stücke, die einen Wolfgang Schalk hören lassen, der, kaum zu glauben, seit seinem schon außerordentlich eindrucksvollen Vorgängeralbum "Wanted", noch ein ganzes Stück gewachsen ist, dorthin, wo kein anderer mehr hinreicht. Kurz & gut und ohne Diskussion: Der Grazer in den USA ist aus meiner Perspektive des Post- oder Modern-Mainstream-Freaks der beste, überzeugendste, intellektuell und in gleichem Maße emotional forderndste Jazzgitarrist der 2010er Jahre. Umso erstaunlicher, dass er hierzulande noch immer flächendeckend unbekannt ist. "Word of Ear" kann das rasch und effektiv ändern.

Schon mit "Eating Melodies" geht's schnurstracks ab in den Olymp, mit der geballten Kraft des Gitarristen und der erstklassigen Gruppe hier mit der furiosen Helen Sung am Flügel, Michael Valerio, b und Tom Bechtlein, dr. Das Stück demonstriert unübertrefflich, was Kopf & Bauch in Schalks Glücks-Fall für ein Bündnis eingegangen sind, wie man es in dieser Intensität nur sehr selten zu hören bekommt. Und just dieser Bipolarität entspricht seine Arbeit als Komponist oft vielgliedriger, zugleich übersichtlicher und dennoch vertrackter Konstrukte. "Round Midnight", der einzige Fremdtitel, ist natürlich optimal geeignet, um auf der Folie von Vertrautem zu verdeutlichen, was ein derart aufgeweckter Improvisator aus einem Standard zu machen versteht - was hier übrigens auch für Valerios Bass-Solo gilt. "Toninho", dem Kollegen Horta gewidmet – ist eines von drei Akustikgitarre-Stücken und mit der Nylonstring in Sachen Sound nicht minder faszinierend als die Archtop-Titel. Auch hier die Intensität, und zwar gerade in den ganz hohen Lagen die schier unfassbare Sicherheit zwischen kopfiger Höhe und stabiler Erdung. Der "Broadway Song" intensiviert dann doch noch, was "Eating Melodies" begonnen hat, nicht zuletzt auch mit dem hier enorm kraftvoll agierenden Pianisten George Whitty. "Written Tomorrow" ist ein Bossa wieder mit Nylonstring, ebenso wie der Titelsong: eine hinreißend schöne Ballade. Und vorm zweiten "Prayer" gibt's dann mit "Blues'n'Roll" noch den veritablen Abräumer, einen burner mit klanglich gewöhnungsbedürftig justiertem (E-) Piano-Solo von Whitty und einem Wolfgang Schalk, dessen offenbar grenzenlose Improvisationsgabe hier schon vorm Whitty-Solo zur dramatischen Klimax dieses Albums führt.

Und noch mal zum Mitmeißeln: Hier geht es um konkurrenzlose Weltklasse.

Alexander Schmitz

 
 
 

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