PRESS

Interview Jazz Podium

Von Alexander Schmitz (GERMAN)

"Etwas Verunsicherung kann äußerst spannend sein"
Wolfgang Schalk

Neun Jahre New York, zweieinhalb Jahre L.A., noch immer einen Loft in Hoboken und einen Koffer in Manhattan: Österreichs aufregendster und spannendster, hierzulande aber noch weitgehend unbekannter Jazzgitarrist heißt Wolfgang Schalk. Sein neuestes Album, eine "Wanted" betitelte Quartett-Offenbarung war der Anlass für eine ausführliche dialogische Erkundung dieses Musikers, der mit Gleichmut registriert, in Europa außerhalb Österreichs weniger bekannt zu sein als in den USA. Und der auf seine Greencard als Berufsmusiker neun Jahre warten musste.

Was "Wanted" auszeichnet, ist die enorme emotionale Kraft und Dichte und gegenüber Wolfgangs früheren Platten ein Mehr an Intensität und an Disziplin. Es ist ohne Frage sein bisher bestes Album. Und es markiert eine wichtige Etappe auf seinem so gut wie bewältigten Aufstieg in den Olymp zeitgenössischer Jazzgitarristik. Das Suchende auf "rainbows" etwa, in "space messengers" schon abgeschwächt, ist verschwunden und abgelöst von großer Sicherheit und Überzeugungskraft. "Wanted" ist ein reifes Werk.

"Ich wollte diesmal den umgekehrten Weg gehen. Nicht wieder erst geprobte Stücke, dann die Tour und dann die Aufnahme. Ich wollte dem Jetzt eine größere Chance geben und das Material so frisch wie möglich aufnehmen, und mit meiner neuen Rhythm Section mit Marvin “Smitty” Smith am Schlagzeug, Dave Carpenter am Bass (der ein halbes Jahr nach den Aufnahmen verstarb) und Geoffrey Keezer am Piano war das sehr spannend", und "ich plane nicht gerne. Ideen und neue Stücke sammeln sich rasch an, aber da gibt es so eine magische Woche oder so, und dann tut sich das Gefühl im Bauch auf: Ich bin wieder 'schwanger'. Und dann geht alles relativ schnell. In New York hatte ich eine working band mit David Kikoski (p) Andy McKee (b) und Ian Froman (dr), auf die ich mich in jeder Hinsicht verlassen konnte. Das Gefühl, wieder mit meiner New-York-Band aufzunehmen, hat mich allerdings etwas gelähmt, da es zu bequem und sicher schien. So ein gewisser Grad an Verunsicherung kann ein äußerst spannender Zustand sein. Was jetzt mit 'Wanted' ganz anders als sonst war, war mein Umzug nach Los Angeles und dass sich alles sehr spontan und last minute abgespielt hat. So hat sich sozusagen die elektrisierende Energie von New York mit der Kargheit der Wüste und Kakteen vereint, was sich sicherlich auch im Klang niedergeschlagen hat. Einige Stücke habe ich erst kurz vor der Session geschrieben, und die wurden ohne Proben im Studio 'uraufgeführt'.

"Meinen eigenen Zug fahren"

Als Teen ist er verrueckt nach Weather Report, dem elektrifizierten Miles, nach Mahavishnu und aehnlichem. Jaco Pastorius "hat mir regelrecht einen Schlag verpasst." Und dann spielten sich Metheny und Scofield in sein Bewustsein. Und wurden diejenigen, "die mir die Türen zu den alten Meistern geöffnet haben" – vor allem zu Wes, "weil dessen Naturkraft irgendwann mal jeden erwischt.
...
Hat Amerika ihn vereinnahmt? "Ganz im Gegenteil: Europa liegt für mich gleich um die Ecke. Und erst mal bin ich in keiner Weise amerikanisiert, war allerdings, wenn man so will, auch nie wirklich “europäisiert” und sehe diese Grenzen auch nicht so eng. Obendrein habe ich, seit ich nach New York gegangen bin, meine Zelte in Österreich nie wirklich abgebaut und komme im Schnitt so ungefähr einmal im Jahr zu Konzerten, aber auch als Privatmensch zurueck. Und ich habe nach wie vor viele Freunde in Österreich, Kollegen und die Familie." Das heißt auch, dass die geografischen Gegebenheiten ihm den Blick auf die europäische Jazzgitarre-Landschaft mitnichten verstellt haben: "Die Szene in Europa ist generell stark, und was Gitarristen angeht, kommen Django Reinhardt und seine Erben bekanntlich auch aus Europa, und Talente sprießen an allen Ecken. Auch in Österreich gibt es einige Giganten, meinen Freund Harri Stojka zum Beispiel. Und, natürlich: Karl Ratzer, der auch unglaublich tolle Scheiben in den USA aufgenommen hat, verehre ich innigst."
...
Durchaus möglich, dass ich zwischendurch mal wieder was anderes mache, aber was immer ich machen werde, es entsteht aus einem intuitiven Drive. Und es interessiert mich nicht, auf diversen Trends mitzuschwimmen. Diese Freiheit moechte ich mir erhalten. Aber wie auch immer: Der Sound auf meinen letzten Platten gibt zweifellos meine Richtung vor." Wo er sich selbst stilistisch einordnen würde, möchte ich wissen. "Contemporary Jazz, Modern Jazz." Kuerzlich gab Wolfgang zu Protokoll, er wüsste zwar im Grunde gar nicht, ob es irgendwo überhaupt noch etwas Einmaliges [unique] in der Musik gäbe; seine eigene Sprache entwickeln wolle er dennnoch. "Zu Miles’ 'Bitches Brew' - und zu Weather-Report-Zeiten war der Jazz in seinem Zenit angekommen, und 'neu' ist heutzutage wirklich nur noch ein Wort und längst kein Maßstab mehr." Und: "Was mich am Jazz heute am meisten fasziniert, ist, dass alles nach wie vor möglich ist und die alte Erkenntnis, 'Es gibt gute und schlechte Musik' es nach wie vor auf den Punkt bringt. Das beste Beispiel dafür ist für mich Keith Jarrett mit seiner ganz spezifischen Art, die eigene Musik zu Standards und Standards zu eigener Musik zu machen. Ich glaube ganz einfach, dass keine Komposition eine gute Improvisation übertreffen kann." Wie Bläser den direkten Draht zum Publikum entwickeln, das habe ihn sein Leben lang fasziniert. "Und das inspiriert mich, genau das auch auf die Gitarre zu übersetzen."

[read the complete interview in the September 09 issue]

 
 
 

OUT NOW!

Frame Up Music (2016)

WOLFGANG SCHALK GUITARS
ANDY LANGHAM
PIANO
CARLITOS DEL PUERTO
BASS
CLARENCE PENN
DRUMS

Available as CD, LP [160-G Audiophile Vinyl w/ Download Card] & Digital

>>LISTEN ON YOUTUBE>>


BUY FROM AMAZON HERE!